JENS ANDRES
JENS ANDRES

 

 

Text von Dr. Martin Stather, Mannheimer Kunstverein

zur Eröffnung der Einzelausstellung bei Rittershaus, Mannheim        18.10.2013

 

 

Jens Andres      Unruhestifter

 

Jens Andres läuft mit offenen Augen durch die Welt. Daher fühlt er sich genötigt, in seiner Kunst „Unruhestifter“ zu benennen, „Korrekturen“ anzubringen und „Wichtige Nachrichten von der Welt“ an Mann und Frau zu bringen. Nun sind Künstler per se notorische und globale Unruhestifter, was nicht weiter verwundern sollte. Andres jedoch stiftet, nach genauer Beobachtung, sehr gezielt Unruhe, beispielsweise auf Parkplätzen, die er für besondere Benutzer reserviert. Also pinselt er zunächst mit blauer Farbe ein Hinweisfeld auf die Stellfläche und definiert dann mit Weiß, für wen der Platz reserviert sei. Die Autofahrer dürften nicht schlecht gestaunt haben, dass der anvisierte, freie Parkplatz plötzlich für Kühe reserviert sein sollte, für Ufos oder ganz einfach für floral-barocke Muster, allemal noch hübscher anzusehen als der neueste SUV.

Denkzeichen wie diese zeichnen seine Kunst aus, die Bilder sind mitunter bissige und immer nachdenkliche Kommentare zur Lage der Welt und der Gesellschaft. „Verrat“: dieser Schriftzug beherrscht wie eine Laufschrift in der Werbung ein rundes, buttonähnliches Bild, darauf, wie auf Telegrafendrähten und doch eigentlich davor, Singvögel. Der gebildete Zeitungsleser denkt sofort an Snowden und wie schön er im (vorläufigen) russischen Exil singt. Was der eine als Verrat ansieht, erfüllt den anderen mit Genugtuung: endlich packt mal einer aus! Eine andere Arbeit zeigt den Schriftzug „Wut“. Der vielzitierte Wutbürger könnte damit gemeint sein, könnte aber nur, denn Andres´ Arbeiten sind niemals so eindimensional. Seine Arbeiten sind konzeptuell gedacht - beispielsweise fungieren die Vögel, die in den neueren Bildern häufig auftauchen, als eine Art Statthalter für den Künstler selbst; an seiner Stelle kommentieren sie die Gegebenheiten und äußern philosophische Gedanken. Sein Sampling von Objekten, die in den Bildern materialisieren, manche immer wieder, sind stets kalkuliert und nicht zufällig.

 

„Feiere Deine nihilistischen Tendenzen“ fordert ein weiterer shaped canvas den Betrachter auf; manieristisch entrollte Schriftbänder ziehen sich über das Bild, das von einer abstrakten Malerei mit realistischen Versatzstücken dominiert wird. Diese Schriftbänder rekurrieren auf Tafelbilder der Renaissance und des Barock, in denen ähnliche Spruchbänder Verwendung finden. Bei Andres konterkarieren sie die uns geläufigen Sinnsprüche bürgerlicher und kleinbürgerlicher Kultur wie „Morgenstund´ hat Gold im Mund“ allerdings auf sehr eigene Art und Weise, da die Sprüche stets vom Künstler selbst stammen. Jens Andres provoziert den Betrachter, um ihm gleich den Spiegel vorzuhalten. Er ist ein Fallensteller, der den Betrachter in die Irre führt, um ihn zum Mitdenken zu verführen. Die einzelnen Bildelemente sind mit Bedacht gewählt und in ihrem Symbolgehalt für den Künstler von elementarer Wichtigkeit. Andres vermeidet in der Gestaltung einen illusionistischen Raum, beharrt auf der Zweidimensionalität des gemalten Bildes, was er durch das Einfügen von Texten oder Textteilen noch betont. So sind die Mausefallen, Ornamente, abstrakte Muster, Laserpistolen und Tacker Teile der Alltagswelt, die in der Verbindung mit den oft rotzig mit laufender Farbe gemalten Hintergründen eine Verbindung zwischen Kunst und Leben schaffen. Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht: die Arbeiten sind durchdacht, es gibt keine Zufälligkeiten in ihnen. Andres´ philosophische Ader lässt ihn seine Bilder auf einen Punkt hin durchkomponieren, sie in einen Zusammenhang mit dem bringen, was ihn aktuell beschäftigt und was er sieht. Die mediale Überforderung verstellt uns heute oft den Blick auf das Wesentliche – Andres sucht und findet seinen Weg genau dorthin.

 

 

 

 

 

NEUE PRESSE COBURG                                                                        27.8.2013

Artikel von Dr. Peter Müller

zur Einzelausstellung im Kronacher Kunstverein.

 

 

Kritik mit Widerhaken

Jens Andres malt wider die Gedankenlosigkeit. Im Kronacher Kunstverein zeigt er vergnüglich den ganz normalen Wahnsinn unserer Zeit.

 

Kronach - "Was ich fürchte, ist die Gedankenlosigkeit", überschreibt Jens Andres eines seiner jüngsten Werke. Diese grundsätzliche, kritisch aufgeklärte Haltung hat ihn zum Kunststudium und zum Malen gebracht. Sein gegenwärtiges Werk ist beispielhaft programmatisch. Die Bildtitel treffen eine klare Aussage, doch die spannenden Geschichten dazu muss der Betrachter selbst nach und nach erschließen. Angesichts der vermeintlich realistischen bis naturalistischen Malerei sind die versteckten Widersprüche, Irritationen und Fallstricke des Künstlers - trotz oder gerade wegen der vermeintlichen Hilfestellung im Titel - meist erst auf den dritten Blick zu erkennen. Je mehr man sich den Einzelheiten eines Gemäldes nähert, desto verwinkelter werden die Gedankenzusammenhänge des ersten ästhetischen Eindrucks.

 

Jens Andres pointierte und ironisch zugespitzte Zeitkritik der Gedankenlosigkeit gegenüber den Gefahren vieler Faktoren, die unseren Alltag bestimmen, legt humorvoll den Finger in die Verwundbarkeit des Einzelnen. Die Spatzen pfeifen die Gefahr des "Twitterns" gewissermaßen vom Dach. Die Fülle der Gefahrenherde stellt der Maler in barocker Vielfalt dar und bildet daraus ein poppiges Allerlei in klassischer Ornamentik.

 

Ironische Zitate

Diese klassische Darstellung der Bildelemente in harmonischer Einheit und mit ebenso angenehm harmonierenden Farben verweist auf den Kontrast von Oberfläche und Hintergrund. Diese auf den ersten und zweiten Blick einfach schönen Bilder, die mit allen gängigen und modischen Stilarten der Kunst spielen - Comic, Popart, abstrakte Kunst, Naturalismus, Realismus, Plakatkunst, Straßenmalerei, Stickbilder -, sie ironisch reflektieren und anarchisch satirisch einsetzen, haben es faustdick hinter der farbenfrohen Oberfläche.

 

"Anger Rising", "Wut", "Unheil" oder "Verrat" sind einfach schön anzuschaun und auch sicher in einer geeigneten Wohnung sehr dekorativ zu platzieren. Doch der feine Farbwiderspruch zwingt zum Nachdenken - und das ist ja doch gar nicht mehr schön, oder? Reizende Hunde bewachen Mikroskope, Laser, Kraftwerke. Die freien Vögelchen der Luft besetzen trillernd die Themen. Klein und süß verzaubert die "Maus, die abstrakt denken kann" und jeder der sehr lebendigen kleinen Vögel.

 

"Zeit ist ein Scheißprinzip" kommentieren sie philosophische Grundsätze und sitzen dabei auf einer flüchtigen Staubwolke, wie sie von den davonlaufenden Römern bei Asterix bekannt ist. Dass sie auch noch mit Nummernschildern auf eine Archivfabel verweisen, ist eine der Irrwege, die Jens Andres in seinen Bildern anlegt. Sein aufklärerischer Impetus, singt ihm im neuesten Bild ein Vogel, wird ihn noch

"um Kopf und Kragen" bringen.

 

Das grinsende Gespenst

Aber er will sich treu bleiben; es gilt "Begib dich auf vages Terrain" und "Feiere deine nihilistischen Tendenzen"; weiterarbeiten mit "Wut" gegen "Unheil und "Verrat" und gegen das grinsende Gespenst, das hinter allen Gefahren lauert. Das Gespenst im Ölgemälde "Was ich fürchte ..." trägt einen Schnauzer.

 

 

 

 

 

JENS ANDRES Presstexte

 

TEXT 1

 

Jens Andres´ Arbeiten fordern den Betrachter. Der Künstler stellt Fallen auf, durch die er ihn zunächst auf eine falsche Spur lockt, um ihn dann von hinten auf in seinen Bildern versteckte Gedanken und philosophische Äußerungen zu schubsen.

Auf seine ironisch-tiefsinnige Art hinterfragt er die großen existentiellen Themen und gesellschaftlichen Problematiken genau wie vermeintlich selbstverständliche Situationen des Alltags und zeigt ihre Ungereimtheiten auf. So hieß seine letztjährige Ausstellungsreihe „Archiv für nicht gestellte Fragen“. 

Durch das Herauslösen verschiedenster Dinge und Lebewesen aus ihrem normalen Kontext und der Kombination mit völlig anderen Objekten in neue Sinnzusammenhänge verrätselt er seine inhaltsbetonte Malerei und versteckt seine Botschaften. Da kann es schon mal passieren, daß ein Vogel dem Betrachter ein „Zeit ist ein Scheißprinzip!“ entgegenschleudert.

 

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TEXT 2

 

Eine Vielzahl disparater Gestaltungsmöglichkeiten wird zu einer Crossover-Malerei zusammengefügt. So sitzt realistische Figuration neben Comicwesen, gestische Pinselhiebe korrespondieren mit grafischen Ornamenten und piktogrammartigen Elementen.

 

Die Arbeiten von Jens Andres fordern den Betrachter. Auf eine ironisch-tiefsinnige Art hinterfragt er vermeintlich selbstverständliche Situationen des Alltags genau wie die großen existenziellen Themen und zeigt ihre Ungereimtheiten und absurden Seiten auf. 

So hieß seine letztjährige Ausstellungsreihe „Archiv für nicht gestellte Fragen“.  Durch das Herauslösen verschiedenster Dinge und Lebewesen aus ihrem normalen Kontext und der Kombination mit völlig anderen Objekten verrätselt er seine inhaltsbetonten Arbeiten und versteckt philosophische Botschaften. So kann es schon mal passieren, daß ein Vogel dem Betrachter ein „Zeit ist ein Scheißprinzip!“ entgegenschleudert.

 

Er kombiniert Gegenstände und Lebewesen, die zuvor scheinbar wenig miteinander zu tun hatten, in neue Sinnzusammenhänge, die den Inhalt der Arbeit transportieren. Es ist eine inhaltsbetonte und konzeptuelle Malerei. Viele Dinge erscheinen zunächst klar. Jedoch beherrscht Jens Andres sein Fach als Fallensteller. Denn auf den

„3. Blick“, bei intensiverem Nachforschen, lassen sich versteckte Geschichten entdecken in denen die Verwunderung des Künstlers über die Rätsel und Ungereimtheiten der menschlichen Existenz thematisiert wird.

 

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TEXT 3

 

Jens Andres ist ein Fallensteller. Bei intensiverem Betrachten lassen sich in seinen Werken versteckte Geschichten und philosophische Äußerungen entdecken, die Existentielles wie Alltägliches hinterfragen und in denen die Verwunderung des Künstlers über die Rätsel und Ungereimtheiten der menschlichen Existenz thematisiert wird.

 

 

 

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